BESTER SCHWEIZER BERGLÄUFER ALLER ZEITEN

Stefan Solèr war vier Mal Europameister
Die schwere Erkrankung Tetanus brachte der in der Region Albulatal aufgewachsene Savogniner zum Laufsport
Von Mario Candreia
Zu seiner Zeit war er Europas dominierende Figur im Berglauf.
Seine internationale Karriere lancierte Stefan Solèr mit 32 Jahren. Mit dem Laufsport begann er erst im Alter von 27 Jahren. Als Kind fieberte ich beim «Banadetg Fonatana» Berglauf in Savognin, wie viele andere Fans aus der Region, Jahr für Jahr mit Stefan Solèr mit. Er war damals das grosse Aushängeschild des Bündner Laufsports und ein Vorbild für eine ganze Generation.
1984 und im Alter von 40 Jahren beendete der in der Region Albulatal aufgewachsene Savogniner seine erfolgreiche Laufbahn. Vor Kurzem feierte Stefan Solèr bei bester Gesundheit seinen 81. Geburtstag. Anlass genug, auf seine beeindruckende Karriere zurückzublicken.
Ein Zufall brachte Stefan Solèr zum Laufsport
«7 Tage die Woche habe ich trainiert. Jahr für Jahr», sagt Stefan Solèr.
Dabei legte er in einer Woche rund 150 Laufkilometer zurück. Und er tat dies zwei Mal am Tag. Morgens um 6 Uhr und abends nach einem 10-stündigen Arbeitstag. Während dem Jahr arbeitete der Savogniner auf dem Bau, im Winter als Skilehrer.
Die Bergläufe unterschieden sich stark. Während einige Strecken auf sechs bis acht Kilometern nahezu 2000 Höhenmeter aufwiesen, führten andere über Distanzen mit 20 Kilometern und mehr, waren mit maximal 500 Höhenmetern jedoch weit weniger steil.
Die schwere Erkrankung «Tetanus» brachte ihn zum Laufsport, denn «lange Zeit war noch nicht sicher, ob ich überleben würde». Ärzte sagten Monate später zu Stefan Solèr, dass es sich hier um ein «Wunder handle, dass er noch lebe». Geschehen mit bald 26 Jahren.
Ohne einen Tag daran zu denken, irgendwann Spitzensportler zu sein, begann er kurze Strecken zu laufen. Die Distanzen wurden immer länger. Mit 27 Jahren, im Jahr 1971, dann das erste Rennen in Thusis: «Ich wurde zweitletzter.» Aber Stefan Solèr spürte, dass noch mehr möglich war. Von Jahr zu Jahr steigerte er sich. Und war bereit, ohne Trainer und ohne Ernährungsberater, bis ans Limit zu gehen. Seine Konstitution machte ihn zu einem geborenen Bergläufer, denn, so Stefan Solèr: «Rasch war mir klar, dass, wenn es bergaufgeht, ich immer schneller war als alle anderen.» Nach guten Rangierungen kamen die ersten Podestplätze in der Schweiz, später gab es Siege bei internationalen Bergläufen. Zu den stärksten Nationen gehörten damals Grossbritannien und die USA. Sein erstes internationales Rennen gewann der Spitzensportler 1976 mit 32 Jahren. Dazu kam der erste Europameistertitel im 1977: «Das war ein schönes Erlebnis und Genugtuung für die grosse Arbeit.» Pro Jahr fanden mehr als 30 Bergläufe statt: «Es war unmöglich alle Rennen zu bestreiten», so Solèr. Zu den Gründen gehörten auch die langen Anfahrtswege.
Im Jahr 1977 gewann der Bündner 11 von 17 Rennen, die er bestreiten konnte.
Mehr als 90 internationale Siege und 4 EM-Titel
Wie kann eine Person, welche mit 25 Jahren eine schwere Erkrankung knapp überlebt hat, ein Jahr später mit dem Laufsport beginnt, und wenige Jahre danach zu den grössten Bergläufer der Schweizer Geschichte gehört? «Es gab einen Punkt, wo ich bemerkte, dass vieles möglich sein könnte. Ich sah das auch im Langlaufsport, als ich die Konkurrenz in den Aufstiegen jeweils klar distanzieren konnte», sagt Stefan Solèr.
Dass es zu insgesamt mehr als 90 internationalen Siege bei Bergläufen reichen würde, habe er trotzdem nicht gedacht. Nebst dem ersten Europameistertiel im Jahr 1977 folgten weitere in den Jahren 1978, 1979 und 1981. Hinzu kamen zwei weitere EM-Podestplätze. Für Siege gab es zwischen 150 und 1'000 Schweizer Franken. Im Weiteren wurde er von der einheimischen Bergbahn und einer Kleiderfirma gesponsort: «Die rund 20'000 Schweizer Franken pro Jahr deckten knapp die Spesen.» Nicht zu vergessen.
Stefan Solèr gewann auch zwei Waffenläufe und an Bündnermeisterschaften erreichte er über 3'000 Meter den zweiten Rang auf der Bahn. Auch beim Traditionsträchtigsten und schwierigsten Bergrennen in Europa, Sierre-Zinal über 31 Kilometer in den Walliser Alpen, das Rennen der fünf 4000-tausender, hiess der Sieger im 1978 Stefan Solèr: «Für uns Bergläufer war das damals wie ein Olympiasieg.»
Aktuell fährt Stefan Solèr im Jahr rund 14'000 Kilometer mit dem Rennvelo. Letztes Jahr, mit 80 Jahren, bestritt er den Berglauf Fully/Sorniot.
Die Distanz von 7.5 Kilometern und 1'740 Höhenmetern bewältigte er in einer Stunde und 47 Jahren. Während seiner Karriere gewann er diesen Lauf vier Mal.

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