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Der Brückenbauer in der Politik, Kultur und für den Erhalt der romanischen Sprache

  • 27. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit


Toni Cantieni: im 2016 verstorben, lebt er in unseren Gedanken weiter

Von Mario Candreia


Als junger und noch unerfahrener Redaktor bei Radio Grischa durfte ich im 1990 mit alt-Nationalrat Toni Cantieni für die Sendung «Coctail» ein halbstündiges Radiointerview realisieren. Die Technik streikte. Toni Cantieni hingegen blieb ruhig. Es war eines seiner Markenzeichen. Der langjährige CVP-Politiker wartete gelassen, bis alles bereit war.

Cantienis Antworten, insbesondere zu seinem kulturellen Wirken, waren durchdacht und präzise formuliert. Sie hatten eine sprachliche Klarheit, die man nahezu unverändert hätte publizieren können.

Toni Cantieni erwarb sich grosse Verdienste um die romanische Sprache. Er amtete unter anderem als Präsident der Uniun Rumantscha Surmirana (URS), der Pro Svizra Rumantscha, der Lia Rumantscha und engagierte sich von 1961-1968 als Dirigent des Chor Viril Alvra. Sowohl innerhalb der Region als auch darüber hinaus genoss er grosse Wertschätzung.

In der letzten Phase seines Lebens hatte Toni Cantieni den Wunsch, Lyrik und Prosa zu schreiben. Und er verfasste die Bücher «Oir a cuolm» und «Racuints e poesias» (Cancas Verlag).

Der Austausch zwischen uns blieb bis zuletzt lebendig. Zahlreiche Gespräche prägten die Begegnungen.


Toni Cantieni: der Politiker

Der Sohn einer Landwirtfamilie schloss 1953 seine Studien an der Universität Fribourg mit dem Sekundarlehrerdiplom ab. Seine ersten politischen Stationen: 14 Jahre Gemeindepräsident von Vaz/Obervaz und 13 Jahre im Grossen Rat. Durch die Wahl in den Nationalrat im Jahre 1971 durfte der Surmiraner von 1982 bis 1988 Teil der Versammlung des Europarats sein. Von 1977 bis 1993 wurde ihm die Geschäftsführung der Sportbahnen Danis AG Lenzerheide anvertraut. Gleichzeitig war er Delegierter des Verwaltungsrats. Hervorzuheben gilt sein Engagement für den Schweizerischen Gemeindeverband als Zentralpräsident von 1987 bis 1995.


Grosse Verdienste um den Erhalt der romanischen Sprache

Mit viel Überzeugung setzte sich der damalige CVP-Nationalrat Toni Cantieni für die vierte Landessprache ein. Von 1984 bis 1991 präsidierte er die Lia Rumantscha und verfügte dadurch über informellen Einfluss auf sprach- und kulturpolitische Debatten auf Bundesebene, auch im Umfeld des Nationalrats. Zuvor präsidierte Toni Cantieni die Uniun Rumantscha da Surmeir (URS). In der Zeitschrift Babylonia aus dem Jahr 1998, die mir vorliegt, wurde in einer Karikatur dargestellt: «Rätoromanisch? Ich glaube, das ist dieser Akzent, den die Eingeborenen haben, wenn sie deutsch sprechen.» Toni Cantieni war einer davon und Mitinitiator des Vereins Pro Svizra Rumantscha im 1992. Er vermittelte den Rätoromanen klare Ziele: die Erhaltung und Förderung der rätoromanischen Sprache und Kultur, besonders aber die Herausgabe einer romanischen Tageszeitung in den bestehenden Idiomen und in Rumantsch Grischun. Es ist

ohne Zweifel ein grosses Verdienst des Verlegers Hanspeter Lebrument, dass die Romanische Nachrichtenagentur bestehen konnte und La Quotidiana realisiert wurde. Mitentscheidend war das eindrückliche Engagement des Vereins Pro Svizra Rumantscha. Mit seiner ruhigen Art verstand es Toni Cantieni, Menschen zu begeistern.


Im 2010 erscheinen «Oir a cualm» und 2015 «Racuints e poesias»

Das Buch «Oir a cualm» aus dem Jahr 2010 verfasste Toni Cantieni mit dem Vermerk: «Die Orthografie unseres Buches basiert grösstenteils auf dem Wörterbuch von Vaz (Rätoromanisch).» Es werden ausgeprägte Heimatsgefühle spürbar. In den 1950-Jahren wurde die Schulzeit in Vaz/Obervaz von 26 auf 38 Wochen heraufgesetzt und, die Gemeinde zählte zu jener Zeit 160 Landwirte: 1980 waren es nur noch 30.

Auch spürt man die sprachliche Begabung des ausgebildeten Sekundarlehrers in seinen Gedichten. 2015, kurz vor seinem Ableben, erschien «Racuints e poesias» mit Illustrationen seiner Frau Anny Cantieni-Pally. Toni Cantieni stellte sie ins Zentrum. Sie habe sich nebst ihrer wichtigen Aufgabe als Mutter mit Handarbeiten aller Art beschäftigt: mit Motiven aus der Natur und des täglichen Lebens. Auch das passte zu Toni Cantieni. Die Familie war ihm stets wichtig.

Abschliessen möchte ich mit diesem weisen Zitat von Toni Cantieni: «Die Zeit ändert sich, auch wir ändern uns mit der Zeit.» R.I.P., tger Toni.

 
 
 

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