Walter Tresch: 4. Mai 1948 bis 29. August 2026
Am 15. Mai 2026 in der Novitats erschienen: Allrounder und Vizeweltmeister. Die Skilegende lebt in Lantsch/Lenz und stand in jeder Weltcupdisziplin auf dem Podest: Von Mario Candreia.
Eine Würdigung

Unvergessen bleibt vielen der Winter 1976. In zahlreichen Schweizer Stuben versammelten sich Familien vor dem Fernseher, um die Olympiaabfahrt mitzuverfolgen. Ich war damals neun Jahre alt und fieberte dem Rennen entgegen. Einer der Schweizer Medallienhoffnungen war der Urner Walter Tresch. Geblieben ist die Erinnerung an einen Athleten, der mit Leidenschaft, Vielseitigkeit und Bodenständigkeit eine Ära des Schweizer Skisports mitgeprägt hat. Die Stiftung von Walter Tresch förderte junge Sportlerinnen und Sportler aus der Gemeinde Silenen und dem Urner Skiverband. Sie besteht seit 1972. Der heute 78-jährige ist Vater von 4 erwachsenen Kindern und 6 Grosskindern und lebt seit 2011 im Albulatal. Im Jahr 2023 wechselte er seinen Wohnsitz von Valbella nach Lantsch/Lenz.
Podestplätze in allen Disziplinen: Marco Odermatt einen kleinen Schritt voraus
In einem Punkt ist Walter Tresch dem aktuell besten Skirennfahrer der Welt, Marco Odermatt, voraus. Er war in allen Disziplinen auf dem Weltcuppodest: Abfahrt, Riesenslalom, Slalom, Kombination und beim Parallel-Rennen. Es ist beeindruckend, wie Walter Tresch über seine gesamte Karriere hinweg zur absoluten Weltspitze gehörte. Zwischen 1968 und 1978 war er nicht nur Teil des Geschehens, sondern prägte es mit seinem Können und seinem unermüdlichen Ehrgeiz. Sein erster Weltcupsieg im Jahr 1971: Die nachgeholte Abfahrt von Wengen, ausgetragen in St. Moritz, wurde zur Bühne seines Durchbruchs. Besonders die Kombinationssiege in Garmisch, Kitzbühel und Wengen sind der eindrückliche Beweis dazu, dass Walter Tresch zu den komplettesten Fahrern seiner Zeit gehörte: «Dass ich als Sieger in Kitzbühel eine eigene Gondel bekommen habe, macht mich schon ein wenig stolz»: geschafft vor 50 Jahren und sich mit diesem Sieg unsterblich gemacht.
Nebst vier Siegen und acht weiteren Podestplätzen, resultierte in der Saison 1975/76 der Gesamtsieg im Kombinationsweltcup und Rang 5 im Gesamtweltcup. 48-mal war Walter Tresch im Weltcup unter den Top 10. Ein weiterer grosser Erfolg zu werten ist der Sieg im Rahmen der «World Series of Skiing» vom 5. Dezember 1976 in St. Moritz vor dem damaligen fast unschlagbaren Ingemar Stenmark: «Das Rennen Mann gegen Mann war meine Stärke.» Dazu kommen vier Schweizermeistertitel. An den olympischen Spielen in Sapporo gewann Walter Tresch die Silbermedaille. Angerechnet wurde ihm einzig der Vizeweltmeistertitel, da im Jahr 1972 die Disziplin Kombination noch nicht olympisch war. Im Jahr 1976 schrammte er an der Olympiade in Innsbruck im Slalom als vierter knapp am Podium vorbei: «Nur ein grosser Titel ist mir in meiner 10-jährigen Karriere verwehrt geblieben.» In der Abfahrt erreichte er den 7. Rang. Es gewann Franz Klammer vor Bernhard Russi und Herbert Plank.
Als er 1978 seine Weltcupkarriere beendete und zu diesem Zeitpunkt in allen Disziplinen in den ersten 15 startberechtigt, ging eine Ära zu Ende. Mit dem Wechsel zu den Skirprofis in den USA suchte Walter Tresch eine neue Herausforderung. Bereits 1979 krönte er sich dort zum Vizeweltmeister und unterstrich einmal mehr seinen ungebrochenen Siegeswillen. In Amerika wurden nur Parallelslaloms und Riesenslaloms mit Sprüngen gefahren. In den zwei Jahren erreicht der im Albulatal wohnhafte Urner mehr als 10 Podestplätze, davon 5 Siege.
Rückblick auf die Saison 2025/26: «Ergebnis herausragender Teamarbeit»

Für Walter Tresch ist die Dominanz des Schweizer Männer-Abfahrt- und Super-G-Teams im Weltcup kein Zufall, sondern das «Ergebnis herausragender Trainingsarbeit» und erwähnt den Europacuptrainer Franz Heinzer. Er habe das besondere Gespür, «Talente zu erkennen und konsequent weiterzuentwickeln». Franz Heinzer hat in seiner Karriere insgesamt 45 Weltcuppodeste erreicht.
Es sei schon beeindruckend, wie das Männer- und Frauenteam Jahr für Jahr, auch im 2025/26, eine derartige Dominanz über eine gesamte Saison hinweg zeige. Lediglich in der Disziplin Slalom erkennt der ehemalige Skirennfahrer aus Lantsch/Lenz ein Defizit in der Breite des Feldes. Trotzdem hat die Schweiz mit Loïc Meillard einen Siegfahrer (15 Podestplätze), mit Wendy Holdener (41 Podestplätze) und Camille Rast (8 Podiumsplätze) bei den Frauen «topp-Slalomfahrerinnen». Walter Tresch sieht dies als Chance. Dass Swiss Ski in Zukunft womöglich «weitere Förderungsmassnahmen ergreift». Zurückgetreten ist Marc Rochat, nicht mehr im Swiss Ski-Kader sind die beiden Weltcuppodestfahrer und Weltmeister im Teamevent Ramon Zenhäusern und Sandro Simonet aus Tiefencastel. Es
werde für die beiden Skirennfahrer in der neuen Saison nicht einfacher, meint Walter Tresch: «Mit einer sehr hohen Startnummer musst du im ersten Lauf besser fahren als der Führende, um den zweiten Lauf zu erreichen.» Sandro Simonet startete in der vergangenen Saison häufig mit einer Nummer ab 60, gehörte im Europacup jedoch zu den Podestfahrern. Der Albulataler verfüge über eine sehr gute Technik. Walter Tresch: «Dass Sandro selbst ohne Kaderzugehörigkeit den Weg zurück an die Weltcupspitze sucht, spricht für seine beeindruckende Hingabe an den Skisport.» Sein Bruder Livio Simonet ist mit nur 27 Jahren zurückgetreten. Er gewann im Team-Parallel-Rennen ein Weltcuprennen und stand ein weiteres Mal auf dem Weltcuppodest. Hinzu kommt der Schweizermeistertitel im Riesenslalom 2025. Und zu den Leistungen des Heidners Stefan Rogentin hält Walter Tresch fest: «Die Regelmässigkeit gute Resultate abzurufen beeindruckt mich. Bis zu einem ganz Grossen fehlt nur noch wenig.» Aktuell ist er die Nummer 15 der Welt und steht bei einem Weltcupsieg, 7 Podestplätzen und dem Gewinn der Bronzemaille im Teamevent 2025.


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